Forstfelder Geschichte[n]
Forstfelder Geschichte im Web von Falk Urlen
Ein “offizielles Jubiläumsprojekt 2013” von “Kassel 1100” im Rahmen “Kultur im Kasseler Osten”
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erfolgreich erprobt. Der Start erfolgte über eine  raketengetriebene feste Rampe, später über eine  transportable Dampfkatapulteinrichtung (sogenannter  Schleuderstart), er konnte aber auch von einem  Trägerflugzeug erfolgen, z.B. vom Flugzeug HE-111. Das  Abschussgewicht lag bei etwa 2200 kg, davon wog der  Gefechtskopf ca. 800 kg und der Treibstoff ca. 1000 kg (je  nach geplanter Reichweite), die Flughöhe betrug 300 bis  2000 m, die Herstellungskosten betrugen zwischen 1500  und 10000 RM, 280 Arbeitsstunden wurden zur Herstellung  benötigt. Die Reichweite betrug zuerst 300 km, später 400  km; geplant war eine Reichweite von 500 km. Die  Zielgenauigkeit lag bei einem bis zwei Kilometer. Als 1943  alliierte Luftangriffe auf deutsche Städte mehr und mehr  den Charakter reinster Terrorangriffe gegen die deutsche  Zivilbevölkerung annahmen, ging die Herstellung der V1  (Vergeltungswaffe 1) ab diesem Zeitpunkt in Serie. Die  erste Serie von 500 Exemplaren wurde in Rothwesten unter  größter Geheimhaltung gebaut. Die weiteren dann in  Nordshausen, größtenteils von Zwangsarbeitern.   Wie mir jetzt ein ehemaliger Mitarbeiter der Fieseler-  Werke berichtete, waren bei den Probeschüssen von  Peenemünde in Richtung Bornholm einige V1 in Schweden  angelandet, die dann nach den USA weitergeleitet wurden.  So war dort die Technologie sehr früh bekannt. Aufgrund  dieses Wissens wurde dann von deutscher Seite ein  Aufschlagzünder eingebaut, damit die Versuchsgeräte bei  Aufschlag auf dem Meer explodierten. Die Maschinen  arbeiteten mit Kreiselkompassen und konnten  so  programmiert werden, dass sie während des Fluges einen  90-Grad-Winkel flog, um zu verhindern, dass beim  Einschlag die Abschussstelle festgestellt werden konnte.  Der britische General Montgomery soll gesagt haben, dass  es einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Krieges  gehabt hätte, wenn die V1 9 Monate eher einsatzbereit  gewesen wäre, weil inzwischen die Sammellager der  Alliierten in England mit großen Netzen vor dieser Waffe  geschützt worden waren. Entwickelt worden war die Waffe 1943 entwickelt  worden und von Goebbels in seiner Berliner  Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 angekündigt worden.  Das Problem war nur, dass alle diese fliegenden Bomben,  sofort nach dem Start ins Meer fielen. Nach ca. 3 Monaten  erst fand man heraus, dass ein Zulieferer die Tragflächen zu  schwach gebaut hatte, so dass sich diese beim Katapultstart  verformten. Viele Ausführungen zu Fieseler entnahm ich dem  Internet, genauso die – eher zufällig – dass allein in den  Kasseler Fieseler Werken ca. 6000 ausländische Arbeiter  bzw. Zwangsarbeiter eingesetzt waren. Die älteren  Bewohnerinnen und Bewohner der Forstfeldsiedlung, alles  Mitarbeiter der Fieseler-Werke-GmbH, sprachen hierüber  nicht in besonderer Form, für sie war das alles eine  Selbstverständlichkeit. Erst im Buch von Wim de Vries las  man von der z. T. wohl schlechten Behandlung, aus  Siedlerkreisen hörte ich auch einmal von einer solchen, die  es sicher gegeben haben wird. Ein Mitarbeiter erzählte mir  aber auch, wie er den Leuten, für die er zuständig war,   heimlich Brot brachte. Er war zuständig für drei Gruppen  mit drei Vorarbeitern, die Zwangarbeiter dafür einsetzen  mussten, jeden Abend die Benzintanks der Flugzeuge in  den Hallen zu entleeren, damit es bei Angriffen nicht zu  größeren Bränden kam. Für diese wäre es ein leichtes  gewesen, mit etwas Putzwolle die Leitungen zu präparieren,  damit die Flugzeuge bei der Überführung abstürzten, was  auch geschehen ist. Er verstand deshalb auch nicht, wie  Kollegen von ihm diese Leute schlecht behandelten  konnten, da diese die Möglichkeit hatten, riesige Schäden  anzurichten. Nach dem Krieg suchten diese Arbeiter in  seinem Dorf einen seiner Kollegen, der sich versteckt hielt,  sie wollten ihn in der „Jauchegrube“ zu ertränken.   Die Fieseler-Werke standen bei der Royal Air-Force ganz  oben auf der Liste der zu zerstörenden deutschen Fabriken  – schon wegen der V1. Die Fieseler-Werke wurden nur  gering zerstört. Sie produzierten inzwischen auch in Lizenz  Flugzeuge vom Typ Focke-Wulf 190-A8, aber auch A3 und  D9.  Große Teile des Werks wurden dann teilweise nach  Schreufa in der Nähe Frankenbergs und an sechzig weitere  Standorte ausgelagert, nachdem die Amerikaner mit ihren  fliegenden Festungen (B24, B17) auch am Tag flogen und  wesentlich höhere Trefferquoten erreichten. Am 19. Februar  1944 setzten sich in Kassel LKW-Kolonnen in Fahrt, die  alle für die Produktion notwendigen Maschinen geladen  hatten. Sie wurden in Fabriken verlegt, die bisher  Gebrauchsgüter  herstellten, und begannen bereits 24  Stunden nach der Anlieferung mit der neuen Produktion.  Allein in Schreufa wurden in einem ehemaligen Werk von  Stuhlmöbeln 22 Flugzeuge vom Typ FW 190 A8 täglich  montiert, und das in Schichten von 12 Stunden am Tag und  von 72 Stunden in der Woche. Insgesamt produzierte Fieseler 1941 590, 1942 671, 1943  1096 und 1944 1146 Flugzeuge. Daneben wurden  Flugzeugteile produziert und Reparaturen durchgeführt.  Dementsprechend waren auch die  Luftangriffe: 1943:  28.07, 30.07, 03.10, 22.10; 1944: 19.04., 22.09. 27.09.  28.09, 02.10. 07.10. 18.10. Fieseler selbst war zu diesem Zeitpunkt aber schon nicht  mehr Betriebsführer in seinem eigenen Werk. Am  29.03.1944 hatte ihn die Parteiführung wegen  "Nichteinhaltung eines Liefertermins" und wegen  "Spannungen zur NSDAP" abgesetzt. Darin sieht man aber  auch, wer in den Rüstungsbetrieben das Sagen hatte - die  Eigentümer gaben wahrscheinlich nur noch ihren Namen.  Nachdem von Staats wegen ein neuer Betriebsleiter  eingesetzt worden war, wurde die Produktion verdoppelt.  Ein ehemaliger Mitarbeiter, der 1936 bei Fieseler als  Lehrling begonnen hatte und der später die erste V1  abschoss, versicherte mir, dass Fieseler, solange er die  Möglichkeit dazu hatte,  immer darauf geachtet habe, mit  den Arbeitern menschlich umzugehen. Ihm gegenüber soll  Fieseler schon 1943 die Frage gestellt haben, bei wem sie  nach dem Kriege arbeiten würden, bei den Amerikanern  oder bei den Russen. Das zeugt von einem  Vertrauensverhältnis, denn wäre diese Einstellung bekannt  geworden, wäre es Fieseler wahrscheinlich schlecht  ergangen. Zwangsarbeiter selber (Wim de Fries) äußern  sich über die Behandlung anders. Die ganze Wahrheit  werden wir nie herausbekommen, weil sich viele Menschen  in dieser Zeit -  wie ich bei unseren Recherchen immer  wieder feststellen musste - angepasst und verstellt haben,  anpassen und verstellen mussten, allein schon, um die  Familie nicht zu gefährden oder um nicht als  „unzuverlässig“ eingestuft zu werden.  Der ehemalige  Mitarbeiter meinte, angesprochen auf unmenschliche  Behandlung der Zwangsarbeiter, dass das nach dem  Ausscheiden Fieselers als Betriebsführer gewesen sein  müsse, Fieseler hätte so etwas immer verhindert. . Weh tat es dem zitierten Mitarbeiter, als dann 1945 von  einem Tankwagen Benzin in die Werkshallen gepumpt  wurde und ein deutscher Soldat mit einer Leuchtpistole  alles in Brand setzte, um nicht dem anrückenden Feind  funktionierende Fabriken zu hinterlassen.   Noch heute sind in den Grundbüchern der Häuser der  ehemaligen Fieseler-Siedlung Vorkaufsrechte für die Firma  Fieseler eingetragen, wenn die Eigentümer sie nicht bereits  abgelöst haben. Man wollte damit erreichen, dass nur  Mitarbeiter der Fieseler-Werke in diesen Häusern wohnen  sollten. Fieseler selbst soll immer sehr stolz auf seine  Siedlung gewesen sein. Heute gibt es noch die Fieseler  Stiftung, die das verbliebene Vermögen verwaltet. Sie  spendete ein Bronzehäschen für das Kunstwerk am  Forstfelder Stadtplatz, so bleibt in Forstfeld eine  Erinnerung an  Gerhard Fieseler bestehen.  Gerhard Fieseler  starb am 1987 mit 91 Jahren.
Der im Jahre 1896 in Glesch im  Kreis Bergheim a. Rh. geborene  Sohn eines Bonner  Buchdruckereibesitzers, Gerhard  Fieseler, nahm im Ersten Weltkrieg  an der mazedonischen Front als  Jagdflieger teil und schoss unter  dem Namen "Tiger" 22 Gegner ab.  Nachdem ihn seine  Nachkriegstätigkeit als Druckerei-  besitzer in Eschweiler nicht  befriedigte, ging er 1926 als  Teilhaber und Fluglehrer zu den  Raab-Katzenstein-Flugzeugwerken  in Kassel-Bettenhausen. Mit einer  120 PS "Schwalbe" entwickelte er  hier den Kunstflug zur meisterlichen Reife. 1927 führte er  beim Internationalen Schaufliegen in Zürich elf Minuten lang  kühne Figuren in Rückenlage vor und arbeitete sich damit in  die Weltklasse der Kunstflieger vor. Bereits 1928 ließ er sich  nach eigenen Plänen ein spezielles Kunstflug-Flugzeug, die  240 PS starke F-1 "Tigerschwalbe", bauen. Das durch den  Kunstflug verdiente Geld legte Fieseler für die Gründung  eines eigenen Werkes zurück. Am 1. April 1930 erwarb er den  bisher von Fritz Ackermann in Ihringshausen betriebenen  "Kegel-Flugzeugbau Kassel", aus dem verschiedene  erfolgreiche Segelflugzeuge der "Kassel"-Reihe  hervorgegangen waren. Fieseler änderte den Namen in  “Segelflugzeugbau Kassel”, es wurden besondere  Bauaufträge ausgeführt, so das "Musterle" von Wolf Hirth  und von Kronfeld die "Wien" und das bisher größte  Segelflugzeug der Welt, die "Austria" mit 30 m  Flügelspannweite. Mit diesem Fluggerät überflog Robert  Kronfeld am 20.06.1931 als Erster den Ärmelkanal hin und  zurück. Trotzdem wäre das Werk in der Zeit der  Wirtschaftskrise nicht lebensfähig geblieben, hätte nicht  Fieseler den Kunstflug ganz in die Sache seines Werkes  gestellt. Damals hieß es: "Fieseler hat sich ein ganzes Werk  erflogen." 1932 entstand bereits im eigenen Werk als eine  Konstruktion von Schüttkowsky seine berühmteste  Kunstflugmaschine, der F-2 "Tiger" mit 340 PS-Pollux-  Motor, mit dem er 1934 die Weltmeisterschaft gewann. Die  mit diesem Titel verbundenen 80000 Goldmark versetzten die  Werke Fieselers in die Lage, ihr Produktionsprogramm zu  erweitern. Fieseler selbst zog sich vom Kunstflug zurück und  widmete sich ganz dem Bau von preiswerten  Sportflugzeugen. Zuerst war bereits die F-3 "Wespe" nach  Plänen von Lippisch entstanden. Da aber diese schwanzlose  Konstruktion mit zwei in Tandemanordnung untergebrachten  90 PS-Pobjoy-Motoren fliegerisch nicht den Erwartungen  entsprach, wurde die Entwicklung abgebrochen. Ebenfalls  erwies sich die auf der DELA 1932 ausgestellte zweisitzige  Sportmaschine F-4 mit einem 35 PS-Argus As 16-Boxermotor  als ein Fehlschlag. Erst die nächste Konstruktion, die mit  einem 65-PS-Hirth-Motor ausgerüstete F-5, wurde ein voller  Erfolg, denn es liefen so viele Bestellungen ein, dass der  Serienbau aufgenommen werden konnte. Fieseler vergrößerte  seine Belegschaft  innerhalb weniger Tage auf 200 Mann und  konnte bis zum Deutschlandflug 1933 im August des Jahres  innerhalb von sieben Wochen noch acht F-5 an den Start  bringen. Die F-5 wurde auch später in der verbesserten  Ausführung Fi 5 R mit 80 PS in größeren Serien erstellt.  Nach der F-6, eine mit geänderten Flügel- und  Leitwerksflächen versehene    F-5, begann mit der Fi 97 das  neue, vom RLM kontrollierte Entwicklungsprogramm, aus  dem die erfolgreichste und bekannteste Fieseler-Schöpfung  hervorging, der Fi 156 "Storch". Der "Storch", ein  propellergetriebenes Flugzeug, flog erstmals 1936. Er wurde  eingesetzt als Verbindungs– Beobachtungs– und  Sanitätsflugzeug. Seine Vorteile waren die ausgezeichnete  Rundumsicht durch die großzügig verglaste Kabine und vor  allem die guten Langsam– und STOL (Short Take- Off and  Landing)-Eigenschaften.(die Mindestfluggeschwindigkeit lag  unter 50 km/h; zum Starten reichten bei Gegenwind 50 m,  zum Landen 20). Bei entsprechendem Gegenwind konnte die  Maschine in der Luft stehen.  Gebaut wurden bis Kriegsende  ca. 2500, viele davon in Frankreich und später auch in der  Tschechoslowakei. In der Sowjetunion gab es einen Nachbau.  Eine Weiterentwicklung war die FI 256, der "Superstorch",  von dem nur 10 Stück gebaut wurden. Während die FI 156  drei Sitze hatte (Pilot und 2 Passagiere), war die FI256 ein  Fünfsitzer.  Ebenfalls bei Fieseler, dessen Werk am 1. April 1939 in  Gerhard Fieseler Werke GmbH umbenannt worden war,  entstand die Fi 103, der Prototyp der später unter dem Namen  "V1" bekannt gewordenen fliegenden Bombe. Aus dem  Internet entnahm ich dazu die folgenden Informationen:   Der pilotenlose Flugkörper wurde durch den  Flugzeugkonstrukteur Robert Lusser 1942 in den Fieseler-  Werken in Kassel entwickelt. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der  an der Entwicklung mitgewirkt hat, erzählte, dass die V1 im  Werk 1 an der Lilienthalstraße, direkt an der Mauer zur  Spinnfaser, entwickelt worden ist.  Der Flugkörper hatte einen  flugzeugähnlichen Aufbau und konnte eine Geschwindigkeit  von über 645 km/h erreichen. Im Prinzip eine größtenteils aus  Holz gebaute, pilotenlos fliegende ungelenkte Bombe. Die  Ursprünge gehen bis in die 30-er Jahre zurück, es handelte  sich um ein petroleumbetriebenes  Staustrahltriebwerk. In den  Jahren 1942/1943 wurde der ca. 8 m lange Flugkörper auf  dem Versuchsgelände der Luftwaffe in Peenemünde-West  
Gerhard Fieseler und die Fieseler-Flugzeugwerke-GmbH Falk D. Urlen
Dieses Bild ist ein persönliches Geschenk von G. Fieseler an Heinrich Peter Foto: Wikipedia, Flughafen Kassel-Calden 2010 Inhaltsverzeichnis
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