Forstfelder Geschichte[n]
Forstfelder Geschichte im Web von Falk Urlen
Vom Forst zum Stadtteil Forstfeld (I) - Geschichte bis 1813 Falk Urlen
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Schon immer spielte der ''Forst", wie das Gebiet zwischen Unterneustadt, Ölmühlenweg und Lindenberg und Ochshausen, Bettenhausen und Waldau genannt wurde, in der Geschichte für die Stadt Kassel eine große Rolle. Die erste Erwähnung Cassels stammt aus der Zeit um 913, bereits da wurde das Gelände des Forstes als ''Hute" bezeichnet, d. h. als Weidegelände für das Vieh der umliegenden Landwirtschaften. Bettenhausen dagegen lag "ante forstam", vor dem Forst. Mit dem Begriff ''Forst" wurde das Gebiet erstmals 1294 erwähnt, das hieß gewöhnlich ''Wald unter Königsbann". Unter einem Hutewald muss man sich einen lichten Eichenwald vorstellen, in dem Rinder und Schweine unter der Aufsicht von Hirten weideten. Auf einer Karte von 1840 heißt der vordere Teil des Forstes (links und rechts neben der heutigen Lilienthalstraße) immer noch "Forst" während der Bereich zwischen Ochshäuser Straße und Leipziger Straße das "kleine Forst Feld" war, am Forstbachweg waren "die saueren Wiesen" und hinter dem Forstbachweg bis zum Lindenberg war "das grosse Forst Feld" . Das Gebiet südlich der Ochshäuser Straße war "das Erlen Feld". Ein Gebiet in Höhe der jetzigen Autobahnbrücke über die Ochshäuser Straße hieß ''die Schiesecke".  ''Die" Wahlebach heißt in Lohfelden noch Fahrenbach, im Forst war er der Forstbach und danach heißt ja auch noch  heute die Straße, die ihn überquert. Vereinzelt sprach man aber auch vom "Waldebach", das nahe ''Dorf" Waldau hieß auch noch lange ''Walda". Der Verlauf des Wahlebachs auf den alten Karten stimmt mit dem heutigen Verlauf nicht mehr überein, da der Lauf Anfang des letzten Jahrhunderts beim Bau der Munitionsfabrik begradigt wurde. Auf dem ''Sauplatz" wurden die Schweine mit Eicheln und Bucheckern gemästet. Außerdem gab es noch den Großen Forst und den Kleinen oder Oberen Forst. Mit gewissen Einschränkungen gehörte der Wald ab 1413 den Kasseler Bürgern, die hier ihr Vieh weideten. Nur mit vereinzelten Ausnahmegeneh-migungen durften auch einmal Bettenhäuser oder Waldauer Bürger hier einige Stück Vieh weiden lassen. Der Siechenhof (heute Hallenbad Ost) lag am Forst. Eine traurige Berühmtheit hat der Kasseler Forst auf Grund seiner Halsgerichte. Es wurden Gerichte abgehalten, Todesurteile vollstreckt und die Gehenkten "verscharrt". Es war der Ort des sog. "Gebotenen Dings". Überliefert sind Spießrutenläufe aus dem Jahr 1547, bei denen militärische Verbrecher hingerichtet wurden, indem sie durch eine Spießgasse ihrer Kameraden gejagt und auf diese Weise zu Tode geprügelt wurden. Diese Todesart galt im Gegensatz zum Galgen als ''ehrlich", ähnlich wie später wieder der Tod durch Erschießen. Auf einer Stadtansicht von 1638 sieht man Galgen und Rad auf dem Richtplatz. Die Verurteilten der bürgerlichen Gerichtbarkeit wurden auf dem Sauplatz öffentlich hingerichtet - gehenkt oder enthauptet. Der Sauplatz ist heute der Bereich zwischen Leipziger Straße, B 83 und Lilienthalstraße. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) wurden die Hinrichtungen zwischenzeitlich  auf dem sog. Krankenplatz unter dem Lindenberg - beim Schindanger - vollzogen, teilweise aber - wegen des langen Weges aus der Stadt - wieder mehr in Stadtnähe verlegt (Leipziger Tor, Siechenhof, Sauplatz). Z. T. hat man in der Nähe Kassels hingerichtet, die Leichen wurden dann auf der ''Schinderschleife'' zum Lindenberg geschafft und dort auf dem ''Schindwasen" verscharrt. Kommt es daher, dass der Forstbachweg früher auch ''Schindeleichweg" genannt wurde? Seine Funktion als Gerichtsstelle behielt der Forst noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. 1806 fand die letzte Hinrichtung statt. 1807 und 1809 wurden hier die hessischen Patrioten erschossen, die sich an den Aufständen gegen die westfälische Regierung und Napoleon beteiligt hatten. Es waren  Menschen vom Gastwirt bis zum Obersten und Professor, die an Aufständen gegen Napoleon teilgenommen oder diese sogar angezettelt hatten. Nach Ende der französischen Herrschaft wurde die sog. ''Forsteiche" gepflanzt, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts noch stand - mehrmals vom Blitz getroffen - wie es heißt. Ein heute leider verwahrlostes und bei den neuen Betreibern  unbekanntes Denkmal auf dem Gelände des "Unternehmenspark Kassel GmbH" in der Lilienthalstr. 25, früher Spinnfaser, danach Enka-Gelände, erinnert noch heute daran. Dort, wo die Steinkugel auf einer Betonplatte befestigt ist, sollen die Schützen gestanden haben, an der Stelle des eigentlichen Denkmals standen die Delinquenten. Das Denkmal wurde jedoch versetzt, als die Spinnfaser  gebaut wurde. Es soll unter dem jetzigen Verwaltungsgebäude gestanden haben. Seine militärische Bedeutung behielt der Forst bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Schon im 18. und 19. Jahrhundert gab es verschiedene Versuche der Stadt Kassel, das Gebiet des Forstes für Wohnungs- und Siedlungsbauten oder Industrieansiedlungen zu erwerben und zu erschließen. Sie scheiterten jedoch immer an den Einwänden der Militärbehörden.  Das Zentrum des Forstes war dort, wo heute die Wohnstraße verläuft. Hier war der höchste Punkt und hier stand auch die alte Forsteiche. Vom Forstfeld spricht man wahrscheinlich nach der Abholzung des Forstes, die  im 16. Jahrhundert unter Landgraf Phi1ipp erfolgte, weil der Forst zu nahe an die Festung Kassel heranreichte und insofern ein Sicherheitsrisiko darstellte. Nach dem Abholzen diente der Forst weiterhin als Hute und später außerdem oft als Truppenübungsplatz. Im Juli 1727 musterte König Georg 11. von Großbritannien auf dem Forste rund 12 000 Mann  hessische Truppen, um sie in seinen Sold zu nehmen; die Übernahme kam jedoch nicht zustande. Der Forst war zu Napoleons Zeiten Übungsgelände für die Artillerie des Königreichs Westphalen; das hieß dann Artillerieschießen von 7 Uhr bis 11 Uhr morgens und nachmittags von 14 bis 17 Uhr! Scharf geschossen wurde noch bis 1906, bis Kassel  durch eine einmalige Zahlung von 1,1 Millionen Goldmark an den Militärfiskus dessen Rechte ablöste. Im Jahre 1757 bezog ein französisches Korps in Stärke von 21 000 Mann unter Marquis de Contades ein Lager auf dem Forst. 1813 rückten Kosaken, aus Richtung Helsa kommend, unter dem General Czermitschew nach Kassel vor. Die auf dem Forst stehenden französischen Geschütze wurden von den Russen erobert und zur Beschießung Kassels eingesetzt. An "der Wahlebach"  fand zwischen russischen und westfälischen Truppen (Cassel gehörte zum westfälischen Königreich) ein Feuergefecht statt, welches die Russen gewannen und danach in Kassel einzogen (ausführlicher Bericht unten).  Aus einem Gutachten zur Denkmalwürdigkeit der Forstfeld-Siedlung von  Guntram Rother entnehme ich die folgenden Zeilen: "C.F. Piderit erwähnt einen Plan von Landgraf Karl, der zur Ansiedlung von Hugenotten auf dem Forstgelände den Bau einer "Fabrikstadt" im Stil des französischen Barocks vorsah. Der Plan wurde aufgegeben, da das Überschwemmungsgebiet um die Fulda eine konstante Verbindung zur Stadt nicht ermöglicht hätte, die Verteidigung im Falle einer Belagerung fast unmöglich gewesen wäre und weil der Forst als Weidegelände nicht entbehrlich war. Die neue Barockstadt wurde dann zwischen Weinberg und Altstadt angelegt." Im Jahre 1791 noch sperrte eine Zollschranke den Zugang zur Nürnberger Straße, die für Marktfrauen und den "Anliegerverkehr" allerdings geöffnet war. Das sog. Chausseehäuschen, welches zwischen dem heutigen "Platz der Deutschen Einheit"  und der Yorkstraße seinen Standort hatte, war vermutlich Unterkunft der Zollbeamten. Hinter dem Haus, abgegrenzt durch den Wahlebach, war der  Sauplatz. Hier am Wahlebach wurden Weiden für die Korbflechter angebaut.  .
Ein Denkmal auf dem Forst Ein Blick zurück (75) aus der HA/KP vom 14. Okt. 1963
Die Glocken der Residenzstadt läuteten, als sich vor hundert Jahren am Sonntag, dem 18. Oktober 1863, in den frühen Nachmittagsstunden ein Festzug durch  Kassels Straßen bewegte. Die Zünfte der Turner, die Lehrer und Schulkinder, die Gesangvereine, die städtischen Behörden, die Landstände, die Staatsbeam-ten, die Henschelarbeiter - alle beteiligten sich an dem festlichen Zug, der sich am Oberneustädter Rathaus aufgestellt hatte und dessen Ziel jenseits der Fulda lag, bei der Eiche auf dem Großen Forst. Man feierte in Kassel wie in ganz Deutschland den 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und gedachte in der Kurhessenresi-denz besonders jener hessischen Patrioten, die 1809 von den Franzosen auf dem Forst hingerichtet und dort auch begraben worden waren... Nie zuvor hatte Kassel eine derartige Festespracht erlebt wie an diesem Tag. Vor allem sahen die Hessen ihren Kurfürsten endlich einmal in gehobener Stimmung. Nach den langen Jahren der Verfassungskämpfe schienen sich Fürst und Volk wieder als zusammengehörig zu fühlen. Es war wie ein Versöhnungsfest. Keiner ahnte aber, dass es das letzte Auftreten Kurfürst Friedrich Wilhelms I. in breiter Öffentlichkeit sein sollte. Drei Jahre später gab es kein Kurfürtentum Hessen mehr.  Um vom Palais schneller zum 0rt der Grundsteinlegung für das Denkmal zu gelangen und vor allem um nicht durch den Festzug und all die Menschenmassen hindurch zu müssen, die sich über die Fuldabrücke zum Großen Forst hin wälzten, hatte der Kurfürst an der Stelle der heutigen Drahtbrücke von Pionieren eine Holzbrücke über die Fulda schlagen lassen. Auf dem Rückweg über diese Brücke tat ein Pferd aus dem fürstlichen Sechsergespann einen Fehltritt und hätte beinahe die ganze Karosse mitsamt dem Kurfürsten in die Fuldafluten nachgezogen. Ein Leibjäger hieb aber geistesgegenwärtig das Geschirr des Pferdes durch, so daß das Tier nun frei ans Ufer schwimmen konnte und der Kurfürst vor einem kühlen Bad bewahrt blieb.  Eine Batterie gab vom obersten Forst 50 Salutschüsse ab. Das war das Zeichen zur Grundsteinlegung des Denkmals. Pfarrer Dr. Falckenheimer hielt die Festansprache. Aus vielen tausend Kehlen klang das Lied ''Was ist des Deutschen Vaterland" über die weite Ebene, der Festzug defilierte dann vor dem Kurfürsten, und am Abend leuchteten von allen Höhen Freudenfeuer ins Hessenland. Dieses Denkmal auf dem Großen Forst, eine Gedenkplatte wurde 1898 durch eine neue Granitplatte mit den Namen der sechs Erschossenen ersetzt. Kilometerweit war früher diese Anlage unter der Eiche auf der weiten Fläche des Forstes zu sehen. Ab 1916  begann die Bebauung des Forstes. Die Deutschen Werke bezogen das Denkmal in ihr Gelände ein. Als die Spinnfaser das Grundstück übernahm und 1936 dort ihren Betrieb errichtete, wurde die Gedenkstätte überbaut. Die Gebeine der 1809 hingerichteten Hessen ruhen heute unter dem Betonboden einer Fabrikhalle. Davon etwa 180 Meter entfernt hat die Granitplatte von 1898 einen neuen Platz in einer kleinen Anlage erhalten...rff. Inhaltsverzeichnis
Kosaken kämpfen am Wahlebach (Falk Urlen) Am 28. September 1813 griffen Kosaken unter dem russischen Gerneral Czernitschew von Niederkaufungen  kommend die Hauptstadt des Westphälischen Königreichs Cassel an. Am Kupferhammer wurden die ersten  westphälischen Truppen zurückgeschlagen und sammelten sich am Forsthaus (heute VW-Autohaus), wo sie  vernichtend geschlagen wurden. Kanonen auf dem Forst fielen in russische Hand und eine Kompanie lief zu den  Russen über. Bei einem weiteren Kampf auf der "Bettellbrücke" (Brücke über den Wahlebach beim  Straßenbahndepot) wurden die westphälischen Truppen zurückgeschlagen, die Kosaken besetzten die  Unterneustadt und ließen die Gefangenen im Kastell frei. Danach sammelten sich die russischen Truppen auf dem  Forst, zogen sich nach Melsungen zurück und griffen am 30. September wieder an, die Franzosen in Kassel  ergaben sich, das Westphälische Königreich wurde in einer feierlichen Proklamation durch General Czenitschew  im Namen des russischen Zars aufgelöst.  Das Westphälische Königreich war von Napoléon Bonaparte per Dekret vom 18. August 1807 für seinen jüngsten  Bruder Jérôme geschaffen worden, es gehörte zum „Rheinbund“, die Hauptstadt war Cassel. Das Reich erstreckte  sich von der Elbe bis Marburg und von Bielefeld bis Nordshausen.  Die größte Ausdehnung hatte es 1810 mit über  63000 km2 und 2,6 Millionen Menschen. Viele Bürgerinnen und Bürger hatten sich im Wesentlichen arrangiert,  der Handel gedieh, dennoch wurden sie durch die Geheimpolizei intensiv überwacht, alles Inländische wurde  missachtet, die Wilhelmshöhe wurde in Napoleonshöhe umbenannt. Es gab auch immer wieder Aufstände, deren  Anführer 1807 und1809 auf dem Forst erschossen wurden, ein Denkmal erinnert noch daran. Die meisten wollten  sich dieser Fremdherrschaft so bald wie möglich entledigen.  Nachdem die „Grande Armee“ mit nur noch 20000 Soldaten aus Moskau zurückkehrte, mit über einer Million war  sie aufgebrochen, war Napoleon so geschwächt, dass Preußen und Russland die Chance sahen, ihn endgültig aus  Deutschland zu verjagen. Später beteiligten sich auch Österreicher und andere Staaten. Doch noch bevor er  am  in  der Völkerschlacht bei Leipzig am 19. Oktober 1813 endgültig besiegt wurde, befreite der russische General  Czernitschew  mit seinen Kosaken Cassel und löste dort das Westphälische Königreich auf. Die Kosaken waren  beritten und kämpften mit Schwert und Lanze, z. T. noch mit Pfeil und Bogen.  Dem Oberbefehlshaber der schwedischen Armee, Kronprinz Karl XIX Johann fiel ein Schreiben des Gesandten  Reinhard zu Kassel an den Staatssekretär Hugo Marek in die Hände, aus dem ging hervor, daß König Jérôme, in  deutschen Schriften immer Hieronymus genannt, große Verteidigungsprobleme hatte. Karl Johann sah hierin eine  große Chance, dem Westphälischen Königreich den Todesstoß zu versetzen. Sein General Czernitscheff, der sich  bereits in Bernburg (südlich von Magdeburg) aufhielt, wurde aus diesem Anlass nach Kassel gesandt. Am 15.  September 1813 überquerte er mit über 2000 leichten Reitern und 4 Kanonen bei Roßlau die Elbe und war am  24.09. in Eisleben. Diese Truppenbewegungen wurden Jérôme gemeldet, der forderte vom Hauptquartier in Mainz  eine 3200 Mann starke Marschkolonne an, die ihm wegen Napoleons Direktiven aber verweigert wurde.  Czernitschew erreicht nach einem Gewaltmarsch am 28. September 05:30 Uhr Niederkaufungen, um im dichten  Nebel einen Überraschungsangriff auf Cassel vorzunehmen. König Jérôme erfuhr davon durch einen Spion und  flüchtete mit 160 Wagen in Begleitung seiner Minister und Gesandten unter dem Schutz von über 2000 Soldaten  (1000 Gardehusaren, 2 Bataillone Fußgarden) über die Frankfurter Straße. Schon am nächsten Tag war er in  Wetzlar und später in Koblenz (alles Rheinbundstaaten).  Vertreibung der Franzosen  General Allix war von Jérôme mit der Verteidigung Kassels beauftragt. Er schickte den Kosaken einige  Kompanien Jäger und Husaren entgegen. Die letzteren hatten gerade die Ausbildung aufgenommen und  konnten  weder kämpfen noch reiten. Eine andere Kompanie sollte über den Eichwald angreifen, lief aber zu den Russen  über. Am Kupferhammer sollten die Kosaken abgefangen werden, wurden dann aber bis zum Forsthaus (heute  VW-Autohaus) zurückgeschlagen und hier vernichtend geschlagen. Dabei wurde der russische Oberst Bedriaga  durch 2 Kopfschüsse getötet. Gleichzeitig eroberte eine andere russische Schwadron die zum Übungsschießen auf  dem Forst stehenden 4 Kanonen und zwei Haubitzen. Die reitende Artillerie der Russen jagte dann im Galopp  durch Bettenhausen und besiegte an der „Bettelbrücke“ (Brücke über den Wahlebach in Nähe des heutigen  Straßenbahndepots) vier Kompanien westphälischer Soldaten, die dann in wilder Flucht über das Leipziger Tor  nach Kassel zurückeilten. Die Russen nahmen dann ohne Mühe das Leipziger Tor.    Die Fuldabrücke war indessen mit Wagen barrikadiert worden. Die Kosaken besetzten die Vorstadt  (Unterneustadt) und befreiten die im Kastell einsitzenden 120 Staatsgefangenen, die sich dann über Gärten und  Wiesen schnell von diesem Ort entfernten.   Die mit Kanonen bewehrte Barrikade konnte Czernitschew  wegen der ihm fehlenden Infanterie nicht nehmen,  außerdem befürchtete er, von zwei westphälischen Heeren, die in Göttingen und Heiligenstadt standen, in die  Zange genommen zu werden. Also zog er sich auf den „Forst“ zurück, außerhalb der Reichweite der Geschütze.  1805 schrieb Johann Christian Krieger:  „Der Forst...nimmt außerhalb dem Leipziger Thore, am Ende der Leipziger Vorstadt seinen Anfang, ist  vollkommen eben und von einem so großen Umfange, daß der wohl sehr wenige Plätze seines Gleichen findet.  Vom rechten Ufer der Fulde an, erstreckt er sich bis vor die Dörfer Bettenhausen, Waldau und Ochshausen.    Landgraf Heinrich der Eiserne schenkte diesen Wald der Stadt Cassel zu Erbauung der Freyheit, wodurch er bis  auf wenige Bäume... ausgehauen und nachher der Stadt zur Viehweide überlassen wurde, welches Landgraf  Ludwig der Erste im Jahr 1413 bestätigte. ...Von der ungeheuren Fläche kann man sich schon dadurch einen  Begriff machen, daß im Jahr 1799, zu Anfang des Maymonats ...die sämmtliche hessische Armee, aus mehr als  20,000 Mann Intanterie und Cavallerie bestehend, auf diesem Forst ein Lager aufgeschlagen hatte, sondern auch  noch mehr als überflüssigen Raum behielt, um ihre Kriegsübungen in Gegenwart mehrerer Tausend von  Zuschauern  vornehmen zu können.“  Cassel 1835Vorsichtshalber zog sich Czernitschew mit 500 Gefangenen über die Söhre nach Melsungen zurück,  wo auch der Oberst Bedriaga bestattet wurde. Heute gibt es hier noch eine Tafel und ein großes Steinkreuz,  welches an ihn erinnert. Der französische General Allix wähnte sich schon sicher, als die Kosaken am 30.  September um 14 Uhr in langen Kolonen aus dem Melsunger Wald (wahrscheinlich der Söhrewald) auf das  Leipziger Tor marschierten. Kassel wurde aus dem Forst wenig erfolgreich beschossen, zwei Pferde waren die  einzigen Opfer. Um 15 Uhr wurde das Leipziger Tor siegreich angegriffen, in  der Stadt entwickelte sich ein  Tumult durch den wilden Volkszorn gegen die Franzosen, sodass an eine Verteidigung nicht mehr zu denken war.  Die Franzosen kapitulierten, dafür bekamen sie freien Abzug, bis auf die Kanonen durften sie alles mitnehmen.  Am 1. Oktober erklärte General Czernitschew im Namen des Zars Alexander in einer feierlichen Proklamation,  dass das Königreich Westphalen nun aufgelöst sei.  Am 3. Oktober verließ Chernitschew aus Sicherheitsgründen Kassel jetzt mit 41 Kanonen, viel Pulver und andere  Munition, gut gefüllte Kassen, Kleidungsstücke und Stoffe, dem Staatswagen des Königs und 650 Gefangene. Auf  ihrem Marsch nach Norden versteigerten die Soldaten ihre Beute in den Städten an die Bürger.  Am 8. Oktober zog General Allix wieder in Kassel ein, der Stadtrat hatte die Regierung zwischenzeitlich  übernommen, seine Mitglieder wurden gefangen gesetzt und sollten hingerichtet werden. Am 16. Oktober erschien  auch wieder Jérôme und begnadigte diese Männer. Als ob nichts geschehen wäre, wurde am 24. Oktober schon  wieder ein Hofball gefeiert. Zwei Tage später erfuhr „König Lustik“ von der verlorenen Schlacht bei Leipzig  und  kehrte nach Frankreich zurück, um nie wiederzukehren. Aus der „Napoleonshöhe“ wurde wieder die  „Wilhelmshöhe“.  Literatur: Bretschneider, Karl Gottlieb: Der vierjährige Krieg der Verbündeten mit Napoleon Bonaparte in Russland,  Teutschland, Italien und Frankreich in den Jahren 1812 bis 1815, Annaberg 1816.  F.v.d.K., Zwölf Anekdoten, für die jetzige Zeit gesammelt, in: Das erwachte Europa, Zweiter Band. , S.S. 59 ff.  Hartmann, Stefan: Kosaken in Kassel, in Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 1994,  Band 99, SS 53 ff. (Hartmann übersetzt hier einen Bericht, den wahrscheinlich der Generalsekretär des Staatsrates  verfasst hat. Er berichtet aus französischer Sicht den Einmarsch Czernitscheffs in Kassel).  Heidelbach, Paul: Kassel - Ein Jahrtausend Hessische Stadtkultur, Hrsg. von Karl Kaltwasser, Kassel 1957.  Hoppe, Dieter: Der Freiheit eine Gasse, 2009 (http://heiligenberg-blog.de/wp-  content/uploads/hoppe/A05_Der%20Freiheit%20eine%20Gasse-Teil1.pdf).  Krieger, Johann Christian: Cassel in historisch-topographischer Hinsicht. Nebst einer Geschichte und  Beschreibung von Wilhelmshöhe, Marburg 1805, S. 103ff.  Schuster, Johann: Der teutsche Krieg im Jahre 1813 nach Oestreichs Beitritte: Band 1, Leipzig 1814, S. S. 196 ff.  Urlen, Falk: Forstfelder Geschichte[n].  Venturini, Karl: Rußlands und Deutschlands Befreiungskriege von der Franzosen-Herrschaft unter Napoleon  Buonaparte in den Jahren 1812—1815, Leipzig und Altenburg 1816,SS 387 - 392.  Oestreichische militärische Zeitschritt, Achtes Heft,  Wien 1824, S. 96  Jubelkalender zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16.-19. October A. D. 1813, Leipzig  Bilder:  Kosak: Illustriertes Familien-Journal. Zur Unterhaltung und Belehrung. Band 16. 1862 , zitiert nach  „http://www.lexikus.de/bibliothek/Der-Kosak-und-sein-Pferd“  Westphälisches Königreich: Wikipedia  Czernitschew: Regensburger Portraitgalerie  Kampf in der Unterneustadt: Sammlung Gerhard Böttcher  Karte des Schauplatzes: Karte von 1836  Redaktion: Falk Urlen 
Die bebilderte Broschüre mit Originalzitaten aus der  zeitgenössichen Literaur (vgl. oben) können Sie sich  durch einen Klick als PDF herunterladen!
Ein “offizielles Jubiläumsprojekt 2013” von “Kassel 1100” im Rahmen “Kultur im Kasseler Osten”
Ein Internet-Buch zum Mitmachen
Dies ist ein Buch zum Mitmachen (Meistens Stand 2002)! Bitte aktualisieren Sie es oder informieren Sie mich über Fehler!
Im Rahmen des Jubiläumsprojektes erstellte ich die Medienzusammenstellung: Mein Forstfeld - Mein Forstfeld Forstfelder Geschichte in 30 Minuten. Klicken Sie auf das Film-Symbol!